LESEPROBEAus dem Buch: "Samurai und Ninja", Vol 1Von Moshe KastielGründung des Iga und des Koga NinjutsuDie langdauernden Kriege zwischen Taira und Minamoto machten viele Krieger zu Flüchtlingen. Viele von ihnen flohen in die Iga und Koga Regionen. Die ausgedehnten Wälder, viele natürliche Höhlen und unwegiges Gebiet waren ein idealer Schutz für Menschen, nach denen man suchte oder die sich aus anderen Gründen verstecken mussten. Schon in früherer Zeit, nämlich im Jahr 1049, hatte hier ein chinesischer General, Ikai, aus der chinesischen Provinz Su Chang nach einer Niederlage Zuflucht gefunden. In einer Höhle lehrte er zwei japanische Krieger besondere und mysteriöse Kampftechniken. Man geht heute davon aus, dass hier die Anfänge des Ninjutsu liegen. Seine ersten Schüler waren Hogenbo Tenshin, Fujiwara no Chicado, ein berühmter Samurai aus der Fujiwara Familie, der später auch unter dem Namen Gamon Doshi bekannt wurde und Yasukiyo, der das Iga Ryu Ninjutsu später etablierte. Ausser Koshi Jutsu, eine besondere Kampfmethode ohne Waffen, die auf dem Angriff von Atemi-Punkten (Nerven- und Schmerzpunkte) beruht, lernten sie auch Ongyu no Jutsu, die Kunst des Versteckens und des sich Fortbewegens in verschiedenem Geländen, Shuriken Jutsu, das Werfen von Senban Shuriken (Wurfklingen), sowie die achtzehn chinesischen Basiskampfkünste, die im Japanischen als Kankoku Juhakkei bekannt sind. Diese Künste wurden die Grundlage des Ninjutsu. In den darauffolgenden Jahren kamen weitere Flüchtlinge sowie etliche Shugenja, Bergkriegermönche, hinzu. Ninjutsu Traditionen wurden gegründet, es gab 73 verschiedene Schulen, Systeme oder Ryus. Die darauffolgenden 450 Jahre gelten als Blütezeit der Ninja, in der sie großen Einfluß auf die Geschichte Japans ausübten. Fujiwara no Chicado hatte nach Iga flüchten müssen, weil er in einem Streit mit dem Kaiser unterlegen war. Von Iga aus versuchte er den Kaiser zu stürzen. Hierzu setzte er erfahrene Ninja ein. Jeder von ihnen kannte sich mit anderen Techniken aus. Nach vielen Kämpfen jedoch wurde Chicado von der Übermacht geschlagen. Yasukiyo, der dritte Ninja, kämpfte auf der Seite der Minamoto. Später bekam er vom Schogun Yoritomo ein Stück Land in der Iga Provinz zugeteilt. Überhaupt halfen viele Ninja Familien dem späteren Schogun Yoritomo an die Macht zu kommen. Insbesondere fünf Söhne aus der Sasaki Familie konnten sich in den vielen Schlachten einen Namen machen und wurden vom Schogun Yoritomo nach dem erreichten Sieg mit Land in der Koga Provinz beschenkt. Eine andere Ninja Familie, die Mochizuki Familie, war im Jahr 939 während der Taira Rebellion auf der Seite des Kaisers gestanden. Hierfür schenkte ihnen der Kaiser ein Stück Land in der Shiga oder Koga Präfektur. Ein Nachfahre dieser Familie, Ieshika, war der Gründer des Koga Ryu Ninjutsu. In späteren Jahren gesellten sich noch weitere Familien als führende Ninja Familien zur Mochizuki Familie. Diese waren die Familien Akutagawa, Ugai, Koga und Naiki Familien. Auch Koga war eine Zufluchtsprovinz für viele geschlagene Samurai, die hier ihr Kampfwissen trainieren und verfeinern konnten. Sowohl die Minamoto als auch die Taira Familie setzten das umfangreiche Können der Ninja für ihre Kriegsplanung und Taktik ein, indem sie die Ninja mit vielen gefährlichen Aufträgen betrauten, bei denen sie im Feindesgebiet die Absichten des Gegners sowie dessen Pläne, und jegliche brisante Information an ihren Auftraggeber vermitteln sollten. Andere Spezialaufgaben bestanden zum Beispiel im Ausschalten bestimmter Gegner. Der Status der Ninja unterschied sich von dem eines Samurai. Nicht immer waren sie an einen bestimmten Herrn gebunden. Demzufolge waren sie in ihren Handlungen freier. Man betrachtete sie nicht als Diener, sondern eher als Spezialisten und Freiberufler, denen man besonders wichtige Aufträge anvertraute. Sie waren eine Spezialeinheit mit ausgeprägten Fähigkeiten. Bezeichnend für sie war, dass sie sich völlig für die Ausführung einer Aufgabe hingeben konnten. Sie konnten jedoch frei entscheiden, welche Aufträge sie annehmen und wie sie vorgehen würden. Innerhalb der Gesellschaft waren sie ungebunden, so dass sie sich nicht verpflichtet fühlen mussten, ihr Leben für Ideale hinzugeben, die ihnen nichts bedeuteten. Sie konnten sich voll und ganz ihrem Beruf widmen, ohne sich um Standesrituale und sonstige Pflichten kümmern zu müssen.
Yoshitsune - der sagenumwobene KriegerYoshitsune, der jüngere Sohn Yoshitomos, der beim Tod seines Vaters gerade 7 Jahre alt gewesen war, wurde in das Kloster Kurama Dera, auf dem Berg Kurama in der Nähe von Kyoto geschickt. Er konnte sich jedoch überhaupt nicht mit dem Mönchsleben abfinden. Seine Bewacher hatten dafür Sorge zu tragen, dass er nicht fortlief und besonders, dass er keinen Kontakt zu Kampfkünsten haben sollte. Der Tempel war von dem Chinesen Ganjo Wajo erbaut worden. Dieser Mönch hatte in Japan eine buddhistische Sekte gegründet. Sein Wissen wurde von Tendai Shu, einer Mikkyo Schule, angewendet. Dies war spirituelles Wissen, das auch auf das Ninjutsu großen Einfluss hatte. Als Yoshitsune im Alter von 11 Jahren seine Abstammung herausfand, entschied er, ein Krieger zu werden und seinen Vater zu rächen. Insgeheim fing er an Kampfkunst zu erlernen. Nach einer Version der Erzählung soll einer seiner Trainer ein Ninja gewesen sein, der die Fähigkeit hatte, sich in einen Tengu zu verwandeln. Ein Tengu ist in der japanischen Mythologie ein übermenschliches Wesen mit einer langen Nase, das auf dem Berg Kurama in der Nähe von Kyoto lebte und dessen Körper halb Mensch, halb Adler war. Dieser Mythos kommt von Bergkriegern, die nicht japanisch waren, die im Vergleich zur japanischen Bevölkerung lange Nasen hatten und die Kampfkünste nach Japan brachten. Wahrscheinlicher ist jedoch die Version, nach der Yoshitsune allein im Wald Schwerttechniken übte und dabei von Tokobo Ayari Rennin, dem früheren Leiter des Kuruma Dera Tempel, beobachtet wurde. Dieser Mann war ein Experte in der Schwertkunst. Um seine Identität geheim zu halten, setzte er eine Tengu Maske auf, wenn er besondere, fliegende Schwerttechniken, Hikko Kempo, unterrichtete. Außer Schwertkunst, brachte er Yoshitsune auch Strategie und Kampfkünste bei. Auf diese Weise ergab es sich, dass die ehemaligen Untergebenen seines Vaters ihn jetzt in allen Disziplinen der Kampfkunst unterrichteten. Auch geheime Schriftrollen, Rikuto Sanryoku Tora no Makimono, die wichtige strategische Theorien enthielten, kamen in seine Hände. Von den Yamabushi, von denen einige auch Ninja waren und anderen Ninja Kriegern konnte er ebenfalls lernen. So wurde sein Kampfkunstwissen umfassend.
u In der gleichen Stadt, in der Yoshitsune lebte, lebte auch ein Mönch mit Namen Musashi Bo Benkei, der auch lieber Krieger als Mönch gewesen wäre. Er war ein hochbegabter Schwertkünstler und nachts ging er auf die Brücke Gogio in Kyoto, um Gegner zu einem Zweikampf herauszufordern. Man sagt, dass er eine Sammlung von 999 Schwertern hatte, die er seinen unterlegenen Kampfgegnern abgenommen hatte. Seine Ansehen war so gewaltig, dass keiner nachts die Brücke überqueren wollte, aus Angst, sein Schwert abgeben zu müssen. Eines Nachts im Mondschein sah Benkei jemanden auf die Brücke zukommen, ganz unbeschwert die Flöte spielend. Benkei war von der Tapferkeit dieses Mannes sehr überrascht, aber wie enttäuscht war er, als er sah, dass der Flötenspieler ein Knabe war. Benkei beschloss, ihn zu ignorieren. Plötzlich kickte der Junge die Naginata von Benkei. Benkei fing die Naginata auf und versuchte das Kind zu verhauen, aber der Junge war schneller. Man erzählt, dass der Kampf vier Stunden dauerte. Mit einem Fächer konnte der Junge Benkei zum Schluss zu Boden zwingen. Der Junge war Yoshitsune, der Sohn von Yoshitomo. Dieser Kampf machte Benkei zum ergebenen Diener von Yoshitsune.
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Im Alter von 16 Jahren beschloss Yoshitsune aus dem Koruma Tempel zu fliehen, um sich nach Oshu zu begeben. Dort konnte er beim Landesfürsten Fujiwara No Hidehira, wahrscheinlich der Adelige, der seine Mutter Tokiwa Gozen geheiratet hatte, Unterschlupf finden. Um aus dem Kloster ausbrechen zu können, benützte er den für Hidehira arbeitenden Spion Kaneuri no Kichigi. Yoshitsune kannte diesen Mann gut. Der Deckmantel von Kaneuri war die Tätigkeit als Goldschmied, der zwischen Kyoto und Oshu hin und her reiste, um seine Waren in Kyoto zu verkaufen. Auf dem Weg nach Oshu hatte Yoshitsune einen Kampf mit dem Ninja-Experten Koroku, welcher der Anführer des Suzuka Bergclans war. Als Koroku den Kampf mit Yoshitsune verlor, erlaubte ihm Yoshitsune, sein Diener zu werden. Man glaubt, dass Koroku daraufhin seinen Namen in Yoshimori umänderte. Yoshi am Anfang des Namens zu Ehren seines neuen Herrn. Er war Experte in Kampfkunst, insbesondere in Ninpo Strategien. Er befehligte eine Gruppe von Ninja. Aber besonders ist er für die 100 Ninjagedichte bekannt, die geheime Lehren der Ninja enthielten. Yoshitsune blieb bis zum Alter von 22 Jahren in Oshu. Dort verfeinerte er seine Kampfkünste im Wege des Samurai, Bujijutsu, und in geistigen Aspekten der Kampfkunst. Im Jahr 1180 verließ Yoshitsune Oshu, um sich seinem älteren Bruder Yoritomo anzuschließen, der eine Armee gegen die Taira gesammelt hatte. Das Treffen der beiden Brüder fand am Fluß Kise in der Kanto Region statt. Yoshitsune wurde zweiter General in dieser Armee. Sein Stiefvater Hidehira hatte Yoshitsune von diesem Schritt abgeraten.
Kiomoris Ende
Auf dem Höhepunkt seiner Macht entschied Kiomori, ins Kloster zu gehen. Er rasierte seine Haare und wurde zum Mönch. Aber auch vom entfernten Kloster aus war er derjenige, der die Geschicke des Landes leitete. Seine Familienangehörigen hatte er nach wie vor in allen Schlüsselpositionen des Landes untergebracht. Darüber hinaus hatte er sich ein Informationsnetz mit 300 Ninja Spionen, das sich über ganz Japan erstreckte, aufgebaut. So war Kiomori über alles, was sich im Land bewegte, immer bestens informiert. Als seine Tochter Tokoku 15 war, verheiratete er sie im Jahr 1177 mit dem jungen Kaiser Takakura. Dieser war damals 11 Jahre alt. So wurde Kiomori ein Mitglied der Kaiserfamilie. Der Kaiser selbst war zu dem Zeitpunkt zu schwach, sich dieser Eheschließung zu widersetzen. Jeder Aufstand oder auch nur ein Aufmucken wurde sofort grausam zum Schweigen gebracht. Seine Tochter Tokoku gebar einen Sohn, den späteren Kaiser Antoku. Kiomoris Regierungsweise wurde immer schlimmer. Er hielt den Ex-Kaiser Go Shirakawa im Palast gefangen und ließ sogar alle seine ihm nahestehenden Beamten in den Ruhestand schicken, worauf er sie tötete. Der junge Kaiser Takakura wurde gezwungen zurücktreten. Dessen Sohn, das Kleinkind Antoku, wurde im Jahre 1180 zum Kaiser gekrönt. Antoku war der 81. Kaiser Japans und regierte von 1180 – 1185. So wurde das Enkelkind von Kiomori mit nur 2 Jahren zum Kaiser von Japan. Kiomori war so grausam und korrupt, dass die Adelsfamilien beschlossen, sich gegen ihn aufzulehnen. Der Prinz Mochihito, Sohn des Ex-Kaisers Go Shirakawa, verbündete sich mit Minamoto no Yorimasa, der aus dem Hause der unterlegenen Minamoto stammte.
Als Yorimasa mit Mochihito den Aufstand plante, war er bereits 75 Jahre alt. Er wurde von allen religiösen Führern der Klöster in der Nara Gegend unterstützt. Sie fingen an, gegen die grausame Regentschaft von Kiomori eine Kampfmannschaft zu rekrutieren und konnten 300 Leute in der Gegend von Nara versammeln. Yoritomo, Oberhaupt der Minamoto Familie, war einer der ersten. Damals war er 34 Jahre alt. Der Kampf am Fluß Uji war bitter und hart. Zuerst fielen die beiden Söhne von Yorimasa. Er selbst wurde von einem Pfeil getroffen. Als er merkte, dass der Kampf verloren war, ging er in einen Tempel in Yudo-In und tötete sich. Prinz Mochihito wurde auch von den Kriegern des Kiomori getötet. Die Klöster in Nara wurden alle verbrannt und die Mönche ins Exil auf abgelegene Inseln geschickt. Yoritomo konnte nach Kamakura in den Osten Japans fliehen. Von dort aus verbündete er alle Mitglieder der Familie Minamoto in ganz Japan in einen Aufstand gegen Kiomori. Seine Armee schloss sich mit der Armee des Minamoto no Yoshinaka, einem ebenfalls bekannten und berühmten Krieger zusammen. Endlich siegte Yoritomo gegen den General von Kiomoris Armee, Taira no Koremori. Als Kiomori von der Niederlage seines Generals erfuhr, wurde er krank und starb acht Tage später. Vor seinem Tod ließ er seine Söhne schwören, dass sie den Kopf von Yoritomo an sein Grab bringen würden. Aber die Dinge nahmen eine andere Wendung. Das Haus Taira wurde in der großen Schlacht um die Stadt Kyoto geschlagen. Kiso Yoshinaka
Die Taira flohen und nahmen das Kind Antoku mit. Kiso Yoshinaka, der Vetter von Yoritomo, betrat die Stadt Kyoto und wurde vom Ex-Kaiser Go Shirakawa willkommen geheißen. Go Shirakawa bestellte ihn zum Regenten Kyotos. Seine Regentschaft war aber genauso grausam wie die des Kiomori. So kam es zu großen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ex-Kaiser Go Shirakawa und Yoshinaka. In seiner Wut brannte Yoshinaka den kaiserlichen Palast nieder, ernannte sich selbst zum Schogun und ließ einen 12 jährigen Jungen zum Kaiser krönen. Als Yoritomo, das Oberhaupt des Hauses Minamoto, hiervon hörte, schickte er im Jahre 1183 eine große Armee nach Kyoto, um Yoshinaka, dem die Macht zu Kopfe gestiegen war, zu züchtigen. Der General dieser Armee war Yoritomos jüngerer Bruder Yoshitsune zusammen mit seinem Bruder Nori Ori. Am 20. Januar 1183 erreichte die Armee von Yoshitsune den Uji Fluß in Kyoto. Auf der anderen Seite des Flusses erwartete ihn Yoshinaka. Alle Brücken waren abgebrochen worden. Im Wasser hatte Yoshinaka Netze, Pfeile und Fallen für die Pferde aufstellen lassen, um ein Überqueren des Flusses zu verhindern. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, den Fluss zu überqueren, schickte Yoshitsune seinen Bruder nach Osten um dort überzusetzen und Yoshinaka anzugreifen. In der Zwischenzeit war es auch Yoshitsune trotz der vielen im Wasser aufgestellten Fallen gelungen, ans andere Ufer zu kommen. Yoshitsune hatte seinen Männern befohlen, ins Wasser zu gehen und zu versuchen, möglichst viele Fallen zu beseitigen. Viele Soldaten kamen bei diesem Unternehmen ums Leben, aber einige 100 Meter konnten freigemacht werden. Darauf setzte die gesamte Armee Yoshitsunes über. In nur einem einzigen Tag wurde Yoshinaka besiegt.
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Auf der Seite von Yoshinaka gab es noch wenige verzweifelt kämpfende Krieger. Plötzlich dachte Yoshinaka an seinen Jugendfreund Imae No Shiro Kanehira, der für ihn an einer anderen Front , nämlich in Seta, kämpfte. Yoshinaka erinnerte sich, wie sie als Kinder gemeinsam gespielt hatten, und dass sie damals gesagt hatten, wenn sie je als Krieger im Kampf sterben sollten, dann sollte es in der gleichen Schlacht sein. Yoshinaka entschloss sich, gemeinsam mit seinem Freund zu sterben. Er galoppierte mit seinem Pferd den Fluß Kamo entlang, begleitet von nur
Einsatz der gefürchteten Shuko Handkrallen, eine typische Geheimwaffe der Togakure Ryu Ninpo Schule. Zeichnung des Autors Moshe Kastiel.
sieben seiner treuesten Krieger. Unter ihnen befand sich auch die Kriegerin Tomoe, eine sehr schöne Frau und eine tapfere Kämpferin. Sie war eine erfahrene Bogenschützin und sehr gut in der Schwertführung. Man sagte ihr nach, dass sie wie tausend Samurai kämpfte. Auch konnte sie ausgezeichnet reiten, in jeder schweren Schlacht schickte sie Yoshinaka als ersten Offizier los, von Kopf bis Fuß bewaffnet und in der Hand ein besonders langes Schwert führend. Ihr Mut übertraf den vieler Männer. Auch auf dieser Mission war sie an seiner Seite. Vom gleichen Gedanken beflügelt, stieg auch der Jugendfreund Imae im entfernten Ort Seta, wo er gerade kämpfte, auf sein Pferd, um seinen Herrn und Freund Yoshinaka zu finden. Beide Krieger-Freunde trafen sich an der Küste, in der Nähe von Otshu und Yoshinaka sagte: „Ich wollte in der Nähe des Hauses des Kaisers in der Hauptstadt sterben, aber ich beschloß, die Linien des Feindes zu durchbrechen, um dich zu finden.“ Imae antwortete: „Ihre Worte sind eine große Ehre für mich, ich wollte in Seta sterben, aber ich ritt hierher, weil ich mir um Sie Sorgen machte“. Yoshinaka umarmte seinen Freund und sagte: „Ich sehe, dass unser Karma immer noch so ist wie es war. Meine Krieger sind im Wald verstreut, da der Feind unsere Kampflinie durchbrochen hat. Zieh Deine Flagge hoch“. Imae hisste die Flagge und die beiden sammelten ca. 300 verstreute Soldaten ein. Yoshinaka verkündete: „Jetzt sind wir 300 Leute. Lasst uns unseren letzten Kampf in Ruhm führen.“ Wer ist die Kampfeinheit, die vor uns steht und wer ist der Offizier? Seine Leute antworteten: „Die nächste Einheit hat 600 Krieger, geführt von Ichi Giro No Giro aus der Kai Präfektur“. Yoshinaka zog seinen besten Yoroi (Rüstung) an, nahm sein großes Schwert, sammelte seine wenigen Leute und schrie dem Feind laut zu: „Sicherlich habt ihr von mir gehört, ich bin der Führer der Morgensonne, der General der Aio Präfektur, man sagt mir, dass Du Ichi Giro No Giro aus der Kai Präfektur bist. Lass uns kämpfen, schlag mir den Kopf ab und gib ihn dem Yoritomo“ . Ichi Giro No Giro gab das Zeichen zum Angriff. Seine Armee umzingelte Yoshinaka von allen Seiten. Fünfzig von Yoshinakas Kriegern konnten jedoch entkommen. Kaum waren sie frei, fand sich einer viel größeren Abteilung von mehreren 1000 Kriegern gegenüber. Wieder konnten sie die Linien des Feindes durchbrechen und weitergaloppieren. Wieder trafen sie auf eine große Abteilung von Kriegern, konnten aber auch diese durchbrechen. Yoshinaka waren nur noch fünf Krieger übriggeblieben, unter ihnen die Kriegerin Tomoe. Yoshinaka befahl ihr zu fliehen, denn seine Absicht war es im Kampf zu sterben und es schickte sich nicht, dass eine Frau anwesend war. Tomoe weigerte sich und wollte bei ihm bleiben. Wieder und wieder bestand Yoshinaka darauf, dass sie zurückbleiben sollte. Zum Schluss sagte sie: „Wenn ich nur einen geeigneten Gegner fände, dann wollte ich meinen letzen Kampf vor den Augen meines Herrn ausführen“ . Da erblickte sie dreizehn Krieger, die auf sie zukamen, angeführt von Onada no Hachiro no Moroshige, ein Samurai aus der Musashi Präfektur, der wegen seiner großen Stärke berühmt war. Tomoe bestieg ihr Pferd und ritt auf die Gruppe zu, packte Moroshige, zog ihn auf ihren Sattel, enthauptete ihn und schmiss den Kopf zu Boden. Danach konnte sie den erstaunten Kämpfern entkommen, entledigte sich ihrer Rüstung und Waffen und floh in eine entfernte östliche Präfektur. Damit waren nur noch zwei Krieger übriggeblieben, die Kindheitsfreunde Yoshinaka und Imae. Yoshinaka sagte zu seinem Freund: „Ich habe bisher nicht gemerkt, wie schwer meine Rüstung heute auf mir wiegt.“ Imae antwortete: „Sie sind noch frisch und Ihr Pferd ist stark. Sie fühlen, dass die Rüstung schwer ist, weil Sie keine Krieger an ihrer Seite sehen. Denken Sie, dass ich 1000 Samurai bin, die für Sie kämpfen. Eine ganze Armee werde ich mit meinen acht letzten Pfeilen aufhalten. Sehen Sie, wir befinden uns in der Nähe eines kleinen Waldes. Gehen Sie dorthin und nehmen Sie sich das Leben. Ein ruhmloser Tod wird einen Schatten auf das ruhmreiche Leben werfen, das sie geführt haben. Warum sollten Sie durch die Hand eines einfachen Soldaten sterben. Beeilen Sie sich, den Wald zu erreichen, ich werde die Feinde zurückhalten“. Yoshinaka ritt auf den Wald zu, während Imae sich auf die Reitergruppe stürzte. Er stellte sich auf seinen Sattel und schrie seinen Namen und Herkunft. „Sicherlich ist mein Name schon seit langem an Euer Ohr gedrungen und jetzt habt ihr die Ehre mich mit eigenen Augen zu sehen. Ich bin Imae No Shiro no Kanehiro, 33 Jahre alt, Halbbruder des Me isters Yoshinaka. Tötet mich und bringt dem Yoritomo meinen Kopf.“ Schnell schoss er seine letzten acht Pfeile ab und tötete damit acht Soldaten. Dann zog er sein Schwert und schlug wild drauf los. Pfeile wurden auf ihn abgeschossen, da keiner den Mut hatte ihn direkt anzugreifen. Yoshinaka ritt inzwischen allein zum Pinienhain. Die Schatten des Abends begannen bereits länger zu werden. Yoshinaka konnte im Zwielicht nicht erkennen, dass vor ihm ein sumpfiges Reisfeld lag. Sein Pferd verfing sich im Sumpf. Yoshinaka konnte es trotz aller Mühe nicht mehr befreien, er blickte zurück und sah, wie Imae tapfer kämpfte. Der Anführer der Reiter war Ishida No Hiro Tamehisa. Er sah Yoshinaka, stellte sich auf seinen Sattel und schoss einen Pfeil auf das Gesicht Yoshinakas ab. Der große Krieger fiel auf den Hals seines Pferdes und starb. Bei seinem Tod war er 31 Jahre alt. Seine Überreste sind bis heute in einem Tempel in der Otshu Gegend aufbewahrt. Zwei Krieger schnitten Yoshinaka den Kopf ab und brachten ihn ihrem Herrn. Ishida No Hiro Tamehisa spießte den Kopf auf einen Speer auf und hob ihn hoch in die Höhe. Dabei rief er: „Ishida No Hira Tamehisa brachte Yoshinaka, den berühmtesten Mann Japans um“ . Imae, der immer noch mutig kämpfte und dies hörte, hielt sein Pferd an und rief: „ Jetzt habe ich keine Veranlassung mehr zu kämpfen. Ich habe keinen Herrn mehr zu verteidigen. Ich werde meinem Leben selbst ein Ende setzen.“ Er nahm sein Schwert, steckte es in seinen Mund, sprang vom Pferd und starb. |